6. Ayurveda

Āyurveda beschreibt, was wohltuend und was schädlich, was Glück und was Schmerz bringend ist, was das Leben fördert und was es behindert, und wie dies alles identifiziert wird. Ayus steht für die Einheit, Ganzheit, die passende (sāma) Verbindung von Körper (Ṥarira), Sinnen (Indriyas), Psychischem (Sattva) und Person (Puruṣa). Aus: Caraka Sūtrasthāna 41/42

Āyurveda, die in Indien entstandene Medizin, wurde ab ca. 500 v. Chr. niedergeschrieben. Parallel dazu hat sich Yoga entwickelt. Beide zielen mit ihrer Theorie und dem methodischen Vorgehen auf das Konkrete: Ein Mensch erlebt die Dynamik seines eigenen Lebens, das in Beziehung zur Dynamik seiner Umwelt steht. Wie kann er alle drei begreifen, gestalten und dadurch Freiheit gewinnen? Ayurveda gibt an, was wie in Balance/Harmonie stehen soll, und wie die Balance reguliert werden kann. Āyurveda bedeutet übersetzt „das Wissen vom Leben“. 


Dosas

Drei Funktionssysteme, die ständig arbeiten und untereinander kooperieren, bilden die Grundlage der Gesundheitsbalance in der Person. Die drei gestalten die Normalabläufe, sie sind jedoch leicht durch innere und äußere Einflüsse, durch zu viel, zu wenig und Verkehrtes irritierbar. Wörtlich übersetzt sind sie daher die drei leicht „Irritierbaren“ (drei Doṣas). Die Funktionssysteme sind zuständig für Transport und Bewegung (Vāta ein anderes Wort ist Vāyu), Umwandlung und Verdauung (Pitta), Formgebung und Gewebeentstehung (Kapha). 


Die drei Qualitäten

Die Seele/Psyche besteht aus ayurvedischer Sicht aus drei Qualitäten, die zusammen wie drei Fasern zu einem Faden verwoben sind und die Leitlinie unseres Seelenlebens ausmachen. Vergleichbar einem Musiktrio, das ein Stück spielt, wirken die drei zu einer Dynamik zusammen. Sie kann harmonisch sein; dann erleben wir einen „roten Faden“, oder sie kann durcheinander sein, dann vermissen wir den Faden, sind vom Kurs abgekommen. 


Tamas

Ein Aspekt des Fadens ist, was verlangsamt, dämpft, unterbricht, verschwindet, dunkel ist und daher zur Beruhigung und zum Ein- und Durchschlafen verhilft. Es sind die vertrauten positiven Routinen, dazu gehören die Pausen, die Kraft der Ruhe, das Abschalten können, die Verhaltensregelmäßigkeiten, die schönen Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten des Alltagsleben. Zusammengefasst wird dies alles unter dem Stichwort Tamas. Irritiert und durcheinander, ist dieser Aspekt des Leitfadens gekennzeichnet durch verschlafenen Geist, Verblendung, Dumpfheit, Bewertungen in Unwissenheit, ohne Wahrnehmung und Bewusstsein, in Unklarheit der gesundheitlichen Folgen des Handelns.


Rajas

Die spontanen guten Ideen, das was dem Leben Farbe gibt, sind unter dem Stichwort Rajas beschrieben. Beispiele dafür sind, was zum Mobilisieren, zum Reorganisieren hilft, einen in produktive Unruhe versetzt, zu mentalem und emotionalem Verdauen verhilft, einen neuen Blick auf die Welt gibt, und daher für Veränderungen und Entscheidungen hilft. Begierde, Arroganz, Gier, Hass, Hin-und-her-gerissen-sein, Überaktivität, Unruhe, Aktionismus, Sucht und Abhängigkeit, Eingehen zu großer Risiken sind Beispiele von irritierten Rajas.


Sattva

Das Durchdenken, der wache Geist, die präzise Wahrnehmung, die treffende Erkenntnis und das klare Handeln, Präsenz, Wachheit wird unter dem Fachausdruck Sattva (wörtlich: was existiert, was ist) zusammengefasst. Dieser Teil des Leitfadens ermöglicht es, Glück und Unglück ohne emotionale Übererregung und mentales Durcheinander, also ohne Stress zu erleben. Die Qualitäten, die mit Sattva beschrieben sind, ermöglichen Mitgefühl, Weisheit und Ausgeglichenheit. Durcheinandergeraten, steht es für Schlaumeierei, Oberlehrerhaftigkeit, Besserwisserei und Anhänglichkeit, die meint, der Geist könne sich nicht lösen von äußeren oder inneren Objekten. 


Yoga und Ayurveda

Stabilisierung und Regulierung wird im Yoga über das vorhandene Niveau hinausgehend angestrebt, sie sollen also verbessert werden. Yoga stellt Mittel und Wege zur Verfügung, die in Ayurveda beschriebenen Beziehungen und Prozesse genau zu beobachten, zu erfassen und handlungsbedeutsame Erkenntnisse zu gewinnen. Das Hauptinteresse besteht darin, genau zu beobachten und herauszufinden, ob Prozesse frisch und frisch machend oder welk und welk machend sind. Der ganze Mensch wird als Ort verstanden, an dem dieser kritische Prozess abläuft und beobachtbar ist. Westlich gesehen, ist Yoga eine großangelegte Schulung der Körperwahrnehmung und des Körpergefühls. Dabei wird im Zuge der Wahrnehmungsschulung die Arbeitsweise des eigenen Denkens mitbeobachtet, so dass innere Einstellungen passend zu den frischen Prozessen verbessert werden können. 


Textquelle: Mit freundlicher Genehmigung Yoga Forum München e.V.
Bildquelle: Wikimedia Commons, Titel: Dhanvantari, Arzt der Götter und Ursprung aller Heilkunst; The original uploader was: F16 at Hebrew Wikipedia, Godofayurveda, CC BY-SA 3.0



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